Tatiana Bilbao Estudio, Mexiko-Stadt

En Común

In Kooperation mit AW Architektur und Wohnen

Ausstellung
14. Mai – 29. Juni 2022

Eröffnung
13. Mai 2022, 18.30 Uhr

Es sprechen
Hans-Jürgen Commerell Aedes, Berlin
S.E. Francisco Quiroga Botschafter Mexikos in Deutschland
Tatiana Bilbao Tatiana Bilbao Estudio, Mexiko-Stadt

Ausstellungsort
Aedes Architekturforum
Christinenstr. 18-19
10119 Berlin

Öffnungszeiten 
Di–Fr 11–18.30 Uhr,  So–Mo 13–17 Uhr
Samstag, 14. Mai 2022, 13–17 Uhr

Architecture Exhibitions Weekend 2022
Samstag, 11. Juni 2022, 12–18 Uhr
Sonntag, 12. Juni 2022, 12–18 Uhr

 

Aedes Kooperationspartner

 

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Wie wollen wir gemeinsam bauen, leben, wohnen und arbeiten – nicht nur in der Zukunft, sondern schon jetzt? Dieser Frage geht die mexikanische Architektin Tatiana Bilbao seit über einem Jahrzehnt mit ihrem interdisziplinären Büro Tatiana Bilbao Estudio nach. Sie verfolgt ihre Vision des Zusammenkommens abseits von Mainstream und Starkult und versteht Architektur als eine gemeinsame Plattform für alle im Gestaltungs- wie im Nutzungsprozess Beteiligten. Sie entwirft, plant und baut dabei mit Empathie, Haltung und Verantwortung. "Für diesen ganzheitlichen Ansatz von Architektur, ihr unnachgiebiges Engagement und ihre inspirierende Arbeitsweise" wird ihr nun der Preis AW Architekt des Jahres 2022 verliehen. En Común, was mit 'gemeinsam' übersetzt werden kann, spiegelt sich in der Ausstellung in acht internationalen Projekten, darunter einem konzeptionellen Wohnhaus und einem Kloster in Deutschland, wider. Die Ausstellung ist hervorgegangen aus der Zusammenarbeit mit dem Magazin AW Architektur & Wohnen und dem Aedes Kooperationspartner CEMEX.

Die vielfältig definierten Arten des Zusammenkommens und –seins sowie das besondere Verhältnis zwischen öffentlichem und privatem Raum setzt Tatiana Bilbao mit ihrem Team immer wieder in Beziehung. Der Titel der Ausstellung bezieht sich darüber hinaus auch auf die Art und Weise, wie Projekte und Entwürfe in Kooperation mit weiteren Architekturbüros entstehen. Bilbao behält den Überblick über das städtische Gefüge, ergänzt (Stadt-)Landschaften durch Bauten und Plätze und verliert dabei nie den Bezug zum Detail und die Wertschätzung historischer Strukturen und Materialien. Nachhaltige Bauweisen und -techniken spielen dabei eine ebenso große Rolle wie der soziale Aspekt von Architektur und die Kollaboration mit anderen (Landschafts-) Architekturbüros und Künstler:innen bei der Entwicklung von Konzepten. Dabei schafft Tatiana Bilbao kulturelle und soziale Werte in verschiedenen Maßstäben sowohl im städtischen wie auch ländlichen Kontext.

„Eine Stadt vereinigt in sich unendlich viele Städte, jede dieser Städte wird von ihren Einwohner:innen und den in ihr geschaffenen Räumen geprägt. Jeder Bürgersteig, jede Straßenlampe, jedes Gebäude bestimmt die Stadt. Insofern definiert auch jeder Moment der Begegnung und des Zusammenseins die Stadt. Das kann im Park, auf dem Markt, in einer Wäscherei oder Schule sein“, so Tatiana Bilbao und Mitarbeiterin Ayesha S. Gosh. Mit ihren Projekten schaffen sie genau diese Räume: eben jene, in denen sich die Nutzer:innen und Bewohner:innen organisieren und zusammen leben und arbeiten.


Ways of Life © Tatiana Bilbao Estudio

Die Ausstellung

En Común zeigt acht exemplarische Projekte als Referenz für die Arbeitsweise des Büros anhand von Modellen, Collagen und großmaßstäblichen, im Kollektiv entstandenen Handzeichnungen. Mithilfe von raumgreifenden Modellen aus Beton, Stampflehm, Holz oder Ziegel bekommen die Besucher:innen ein Gespür für die teils in Planung befindlichen und, teils realisierten Projekte. Begleitet von Texten und Fotografien vermitteln reproduzierte Handzeichnungen der Architektin ihre Arbeitsweise.

Die Projekte

Kloster Maria Friedenshort / Neuzelle, Brandenburg, Deutschland / in Planung
Auf einem ehemaligen konspirativen Objekt der DDR-Staatssicherheit nahe dem Neuzeller Ortsteil Treppeln entwirft Tatiana Bilbao Estudio unter Mitwirkung von MAIO Architects und DOGMA Architects den ersten Klosterneubau des Zisterzienserordens in Brandenburg seit dem Mittelalter. In mehreren Bauphasen entsteht eine zeitgenössische Übersetzung des zisterziensischen Idealplans. Ausgehend vom Vierungsquadrat der Klosterkirche definiert die Planung „ad quadratum“ Proportionen und Positionen der verschiedenen Bereiche, Plätze und Räume der Anlage. Das Quadrum des Kreuzgangs, Zentrum und Schnittpunkt der Achsen, wird dabei im Gäste-, Jugend- und Arbeitsbereich zunehmend aufgebrochen. 

Ways of Life / Projekt zur Dorfentwicklung in Scheid, Hessen, Deutschland / im Bau
Ways of Life ist ein Wohngebäude im ländlichen Nordhessen mit einer engen Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Sechs einzigartige Räume sind spiralförmig angeordnet, wobei die öffentlicheren unten und die privateren im oberen Teil liegen. Unter den schwebenden Volumen entsteht ein halb überdachter gemeinschaftlicher Versammlungsraum. Der Entwurf entstand im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts Ways of Life mit anderen internationalen Architekturbüros, darunter, die jeweils ein experimentelles und umweltfreundliches Haus und/oder einen Außenraum in einer ländlichen Gegend entworfen haben. Ziel des Projektes ist es, einen Impuls für die nachhaltige Entwicklung des Dorfes Scheid in Hessen zu geben. Eine Auswahl der Entwürfe wird schrittweise realisiert, darunter auch der Entwurf von Tatiana Bilbao Estudio. Weitere Projektmitglieder sind u.A. Anna Heringer (Deutschland), Christoph Hesse Architects (Deutschland), Dogma (Belgien), The Open Workshop (USA/Kanada) und Pezo Von Ellrichshausen (Chile).

Collegium / Umwandlung einer Abtei in ein Kulturzentrum in Arévalo, Spanien / in Planung
Collegium ist der Entwurf eines Ausstellungsortes auf dem historisch und kulturell wertvollen Gelände eines Klosters im spanischen Arévalo. Die von Tatiana Bilbao Estudio entworfenen Volumina, inspiriert durch in alten Schriften erwähnte Gebäudekompositionen, werden die Adrastrus Collection beherbergen und ergänzen die historischen Gebäude zu einem Kulturzentrum. Das Ergebnis ist ein Patchwork zwischen dem Alten und dem Neuen, in dem Besuchende jeden Raum des Komplexes nach und nach entdecken können.

Estoa – UDEM / Gebäude für den Campus der Universität Monterrey, Mexiko / fertiggestellt
Der fertig gestellte Bau Estoa – UDEM vereint als Campuseingang der UDEM (Universidad de Monterrey) Räume für Studierende, Geschäftsräume, Dienstleistungsbüros, Räume für ein Weiterbildungsprogramm und ein Parkhaus. Die kompakte architektonische Komposition ermöglicht weitläufige Grünräume. Damit folgt der Entwurf der Vision des Masterplans der UDEM, einen fußgänger:innenfreundlichen Campus und eine grüne Lunge für den westlichen Bereich der mexikanischen Stadt Monterrey zu schaffen. Estoa - UDEM wurde von Leadership in Energy and Environmental Design (LEED), einem weltweit verbreiteten Klassifizierungsprogramm für ökologisches Bauen, mit "LEED Gold" zertifiziert, mit dem CEMEX Building Award 2021 in der Kategorie Sustainable Building Mexico Edition und dem USGBC Leadership Award 2021des U.S. Green Building Council ausgezeichnet.

Olive West / Masterplan und Wohngebäude in St. Louis, Missouri, USA / in Planung
Der Masterplan Olive West von Tatiana Bilbao Estudio im Auftrag von Emily Rauh Pulitzer, Philanthropin und Gründerin der Pulitzer Arts Foundation, beschreibt ein Nachverdichtungsprojekt mit Town Houses und Gartenhäusern angrenzend an das Zentrum von St. Louis in Missouri (USA). Ausgangssituation ist der Bedarf an hochwertigem Wohnraum für zuziehende Millennials und Senior:innen und an Freiflächen für Gemeinschaftsaktivitäten, teilweise mit Bezug zu den Kultureinrichtungen der Umgebung: dem Contemporary Art Museum St. Louis, der Pulitzer Arts Foundation sowie der historischen Wolfner Library. Die einzelnen Wohngebäude werden von einer Reihe international bekannter Architekt:innen entworfen, eines von Tatiana Bilbao Estudio, mit einem besonderen auf die klimatischen Bedingungen fokussierten Gebäudekonzept. Weitere zukunftsweisende Wohn-Visionen werden hier unter anderem von MOS Architects (USA), Mitchell Wall Architecture & Design (USA) und dem Estudio Macías Peredo (Mexiko) verwirklicht.

Porte de Montreuil / Projekt zur nachhaltigen Quartiersentwicklung in Paris, Frankreich / in Planung
Im Grenzraum zwischen dem Zentrum von Paris und seinen Vorstädten verwebt das Projekt die angrenzenden Nachbarschaften miteinander. Als Deckel auf einer Autobahn gelegen entstehen um einen Plaza für Fußgänger:innen, mit Flohmarkt, Grünflächen und verschiedenen Möglichkeiten zum Zusammenkommen und –wirken mehrere Bauten verschiedener Architekturbüros. Der Entwurf von Tatiana Bilbao Estudio, in Kooperation mit Atelier Gorges (Frankreich), sieht zwei Geschäftshochhäuser vor, die flexibel in der Zukunft flexibel in Wohnraum umgenutzt werden könnten. Das ehrgeizige Ziel von Porte de Montreuil ist es, die erste kohlenstofffreie Nachbarschaft von Paris zu werden. Weitere Gebäude des Projekts wurden von Serie Architects (UK, Indien) und Bond Society (Frankreich) entworfen.

Silica II – Roble 700 / Wohngebäude und Bildungszentrum in Monterrey, Mexiko / in Planung
Roble 700 ist ein 10-geschossiges Wohn- und Geschäftsprojekt mit Markt und Bildungszentrum in San Pedro Garza García in der mexikanischen Metropolregion Monterrey. Der Entwurf hat zum Ziel, verschiedene Grade an Öffentlichkeit und Privatheit zu bieten und somit verschiedene Arten des nachbarschaftlichen Zusammenkommens zu ermöglichen. Das Gebäude beherbergt über die Einkaufsmöglichkeiten im Erdgeschoss über einen Fitnessraum, einen Spielplatz und weitere Angebote, die über die Geschosse verteilt sind.

Solo House / Ferienhaus in Aragonien, Spanien / Entwurf
Auf einem ehemals landwirtschaftlich genutzten Plateau mit Olivenbäumen und einem traditionellen Steinhaus in der spanischen Region Aragonien gelegen, wurde das Solo House als Ort der Architekturerfahrung entworfen. Das Gebäudedesign entstand im Rahmen des gleichnamigen Projektes internationaler Architekturbüros für besondere Ferienunterkünfte. Konzipiert ist das Solo House aus 23 identisch dimensionierten Würfeln mit individuell geformten Öffnungen. Die Würfel sind auf dem Grundstück verteilt und über Promenaden erreichbar, wodurch die Architektur verschieden wahrgenommen werden kann.


Olive West © Tatiana Bilbao Estudio

Über Tatiana Bilbao

Die 1972 in Mexiko-Stadt geborene Architektin erhält weltweite Aufmerksamkeit und Anerkennung für ihren Entwurfs- und Planungsansatz, ihre sozialpolitische Forschung, ihre Studien über Materialität und Bautechniken sowie für die von ihrem Büro realisierten Projekte.
Im Jahr 2019 präsentierte das Aedes Architekturforum Two Sides of the Border, eine kollektive Forschung von 13 Universitäten in Mexiko und den Vereinigten Staaten. Bilbao war federführend bei der Untersuchung der räumlichen Beziehungen und der gegenseitigen kulturellen Einflüsse nördlich und südlich der mexikanisch-amerikanischen Grenze.

Tatiana Bilbao Estudio ist ein 2004 gegründetes Architekturbüro in Mexiko-Stadt. Im Mittelpunkt der Arbeit des Studios steht die Analyse des Kontextes, in dem die Projekte angesiedelt sind, aus einer multidisziplinären Perspektive. Das Spektrum der Projekte reicht von Masterplänen bis hin zu erschwinglichen Wohnprojekten. Ein Ziel ihres Schaffens ist es, einen Beitrag zur jeweiligen Umgebung zu leisten und gleichzeitig flexibel zu bleiben, um sich den fortwährend ändernden Bedürfnissen zu widmen, sowie soziale Werte, Zusammenarbeit und sensible Designansätze in die architektonische Arbeit zu integrieren. Vor der Gründung ihres Büros war Bilbao Beraterin im Ministerium für Entwicklung und Wohnungsbau der Regierung des Bundesdistrikts Mexiko-Stadt und gehörte während dieser Zeit der Generaldirektion für Entwicklung des Beratungsgremiums für Stadtentwicklung in der Stadt an. Bilbao wurde 2010 von der Architecture League of New York als Emerging Voice benannt, 2012 mit dem Kunstpreis Berlin ausgezeichnet, 2014 von der LOCUS Foundation mit dem Global Award for Sustainable Architecture prämiert, sowie mit dem Impact Award 2017 Honorees for ArchitzierA + Award, dem Marcus Prize Award 2019 und der Tau Sigma Delta Gold Medal of 2020.


Ways of Life © Tatiana Bilbao Estudio

AW Architekt des Jahres 2022

„Die Vielfalt der Menschen und die Vielfalt des Lebens spiegeln sich in den Projekten von Tatiana Bilbao Estudio wider. Das macht die in Mexiko-Stadt ansässige urbane Denkfabrik zu einem Vorbild für junge Architekten auf der ganzen Welt“, lobt Karen Hartwig, Chefredakteurin AW Architektur & Wohnen die Arbeit des mexikanischen Architekturstudios. „Mit der Auszeichnung AW Architekt des Jahres würdigt das Hamburger Architekturmagazin seit 2012 jährlich das Talent einer herausragenden Persönlichkeit der Architektur, die mit kreativer Denkweise, ganzheitlichen Gestaltungsansätzen und inspirierendem sozialem Engagement Haltung beweist.“ Bisherige Preisträger sind u.a. MVRDV, Bjarke Ingels Group, gmp Architekten, Dorte Mandrup, Snøhetta und Francis Kéré.

AW Architektur & Wohnen mit Sitz in Hamburg ist eines der führenden Magazine für Architektur, Design, Wohnen, Gartengestaltung und Reisen in Deutschland. Seit mehr als 60 Jahren beteiligt sich AW Architektur & Wohnen aktiv am kulturellen Diskurs, setzt sich für höchste Qualität in Architektur, Innenarchitektur und Produktdesign ein und präsentiert internationale Vordenker aus diesen Bereichen. Seit 1997 kürt die Redaktion alljährlich international renommierte Gestalter als AW Designer des Jahres, seit 2012 verleiht AW Architektur & Wohnen darüber hinaus auch den Preis AW Architekt des Jahres. Mit dieser Auszeichnung ehrt die Redaktion Architekt:innen, die durch individuelle Konzepte und kreative Gestaltungsideen neue Impulse für Architektur und Stadt geben.

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