Mind Landscapes

Studio Zhu-Pei, Beijing

Ausstellung:
1. April - 18. Mai 2017

Ausstellungsort:
Aedes Architekturforum
Christinenstr.18-19
10119 Berlin
Öffnungszeiten:

Di-Fr 11-18.30 Uhr
So-Mo 13-17 Uhr

Eröffnung:

Freitag, 31. März, 18:30 Uhr

Zur Eröffnung sprechen:
Dr. h.c. Kristin Feireiss
, Aedes Architekturforum, Berlin
Ping Chen, Botschaftsrat für Kultur, Botschaft der Volksrepublik China

Dr. Eduard Kögel
, Kurator, ANCB, Berlin
Zhu Pei
, Studio Zhu-Pei, Beijing

Eröffnungsvortrag im ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory:
Freitag, 31. März 2017, 16 Uhr
Mehr info unter: www.ancb.de

Zur Ausstellung erscheint ein Aedes Katalog.

 

Aedes Kooperationspartner

 

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Der Pekinger Architekt Zhu Pei gehört zur führenden Architektengeneration Chinas, die mit ihren substanziellen Beiträgen zur Lösung an drängenden Herausforderungen der wachsenden Urbanisierung beitragen. Die hohe Geschwindigkeit des Stadtwachstums sowie der kommerzielle Druck in einer Massen- und Konsumgesellschaft, erfordern reflektierte Konzepte, die auch das Bedürfnis nach einem authentischen Ausdruck in der Architektur bedienen. In der verschwommenen Kakophonie der Stadtcollagen und architektonischer Superzeichen vor dem Hintergrund der realen Megastadt, geht Zhu Pei auf die Suche nach den eigenen Wurzeln in den tradierten ästhetischen Konzepten, um diese in transformierter Form für seine Arbeit fruchtbar zu machen. Die Referenz auf überlieferte Raumkonzepte und bauliche Konstruktionen helfen ihm, orts- und regionsspezifische Lösungen zu finden, die in ihrer Gestalt, Ästhetik und Materialität großes Können belegen. Mit dem Verständnis der globalen Diskurse über Architektur findet er eigene Wege, den Bauten einen spezifischen Charakter in einer aktuellen architektonischen Form zu geben.

Das Studio Zhu-Pei wurde 2005 gegründet und ist international mit dem 2012 eröffneten OCT Design Museum in Shenzhen oder dem 2015 in Peking fertiggestellten Minsheng Museum of Modern Art bekannt geworden. Mit seinem Werk gilt er als Botschafter einer zeitgenössischen Architektur in China.

Die Ausstellung präsentiert fünf neue große Kulturbauten des Architekten, die sich zur Zeit im Bau befinden: das Yang Liping Performing Arts Centre und das neue Museum für zeitgenössische Kunst, beide in Dali, das Shijingshan Cultural Centre in Beijing, das Shou County Cultural and Art Centre in der Provinz Anhui und das Museum für Porzellankultur in Jingdezhen. Alle Bauten zeichnen sich durch individuelle Lösungen aus, die kreativ in enger Abstimmung mit dem urbanen und kulturellen Kontext entwickelt sind. Dabei greift Zhu Pei die gefundenen Bedingungen auf und definiert in einer modernen Architektursprache das Umfeld oder ordnet die Neubauten dem gegebenen Kontext unter. In zahlreichen Modellen, Plänen und Filmen erläutert die Ausstellungsinstallation die Bezugnahme der einzelnen Projekte auf den Ort und ihre starke formale Ausdruckskraft vor dem Hintergrund expressiver Tuschzeichnungen des Architekten auf hinterleuchteten Bildpanoramen.

Das Performing Arts Centre der seit 2014 börsennotierten und international operierenden Tanzkompanie von Yang Liping zum Beispiel wurde inspiriert durch das dualistische Prinzip des Yin und Yang. Yin und Yang sind zwei Begriffe der chinesischen Philosophie, die aufeinander bezogen, Gegensätzliches miteinander in Einklang bringen. Für das Yang Liping Performing Arts Centre kontrastiert Zhu Pei am Stadtrand von Dali in Yunnan die hügelige Landschaft der Theaterräume mit dem flachen, rechteckigen Dach, das weit über die in organische Erdformen eingelassenen Theaterräume hinausragt. Damit definiert er einen signifikanten Neubau, der nicht selbst das Monument sein will, sondern ermöglicht, die gewaltige Landschaft der hoch aufragenden Cangshan Bergkette im Hintergrund und den davorliegenden Erhai-See zu inszenieren.

Diagonal gegenüber auf der Südseite von Dali entsteht zeitgleich das neue Museum für zeitgenössische Kunst auf dem Gelände zweier alten Tempelanlagen mit einer Pagode aus dem neunten Jahrhundert. Im Gegensatz zum Performing Arts Centre verschwindet das neue Gebäude fast vollständig im Boden, um die Überreste der buddhistischen Pagode und des taoistischen Tempels hervorzuheben. Tieferliegende Höfe und pavillonähnliche Aufbauten strukturieren das Museum in der Landschaft. Der Maßstab der sichtbaren Bauteile erlaubt einen Dialog auf Augenhöhe mit den Resten der ehemaligen Tempel. In Jingdezhen, einer Stadt, die von Alters her für die Porzellanproduktion in China bedeutend war, entwarf das Studio Zhu Pei ein Museum für die Porzellankultur. Die Form und das Material der alten Brennöfen inspirierte hier das Design und verspricht ein einmaliges Raumerlebnis in röhrenförmigen Raumsegmenten, die über Höfe verbunden sind. Damit wird die Erinnerung an die Brennöfen zu einem konstituierenden Element des zukünftigen kulturellen Ausdrucks der Stadt.

Alle Projekte in der Ausstellung repräsentieren konzeptionell und in ihrem ästhetischen Bezug den Anspruch des Architekten, lokale Erzählstränge und traditionelle Ausdrucksformen mit einer neuen Bildsprache zu verknüpfen.

Zhu Pei hat in den neunziger Jahren an der renommierten Tsinghua Universität in Peking studiert, bevor er an der University of California in Berkeley mit dem Master abschloss. Seitdem wurde er mit vielen Preisen bedacht: 2015 zeichnete ihn der AIA mit dem Honor Award aus, die Huffington Post nannte ihn 2011 einen der “5 greatest architects under 50”, in Hongkong erhielt er 2008 den DFA Grand Award and Special Award for Culture, die Zeitschrift Architectural Record zeichnete ihn 2007 mit dem Design Vanguard Award und 2005 mit dem China Award aus, die Zeitschrift World Architecture in Peking überreichte ihm 2004 den WA Award, und die UIA honorierte seine Arbeit 1989 zusammen mit der UNESCO mit dem Special Merit Award. Er lehrt heute als außerordentlicher Professor an der Columbia University in New York und an der Tsinghua Universität in Peking.

SPONSOREN

Yang Liping Arts & Culture Co.Ltd, Jingdezhen Ceramic Culture Tourism Group, WiE Kultur GmbH, Zumtobel

Die Ausstellung ist Teil des deutsch-chinesischen Kulturprogramms 2017