Max Bächer, Darmstadt

Gebaute Orte aus fünf Jahrzehnten


 

25. Oktober 2002 - 24. November 2002
Eröffnung/Opening: Freitag, 25. Oktober 2002, 18.30 Uhr

Aedes East

Bekannt als Doyen unter den deutschen Preisrichtern, als Autor vieler Essays, als Vortragsredner und mitreissender Hochschullehrer, der fast 30 Jahre lang den Geist der Architekturausbildung an der TU Darmstadt prägte, vertritt der Architekt Max Bächer eine Generation, die unmittelbar nach dem Krieg studierte, um in den Trümmern der Geschichte eine neue Welt zu gestalten. Sie stand an einem Scheideweg zwischen der überkommenen, völkischen Vorkriegsarchitektur und einer internationalen Moderne, die man kaum kannte. Zwei Richtungen, die sich nicht nur in Stuttgart, wo Bächer studierte, unversöhnlich gegenüber standen. Für ihn war es ein Glück, schon 1949 für ein Studienjahr in den USA ausgewählt zu werden, wo er viele der emigrierten Architekten wie Breuer, Gropius, Mendelsohn und Mies van der Rohe kennenlernte, Charles Eames und Frank Lloyd Wright besuchte und sich unter Anderen mit Craig Alwood anfreundete. Aedes präsentiert einen Querschnitt aus Max Bächers Arbeiten aus 5 Jahrzehnten unter dem Thema "Gebaute Orte". Schon seine ersten Bauten zeigen deutlich den Willen, den verlorenen Anschluss an die internationale Moderne wiederzugewinnen, neue Entwicklungen aufzugreifen, um sie mit den charakteristischen Merkmalen gewachsener Bautradition zu einer neuen Einheit zu verschmelzen. Besonders seine zahlreichen, vielfach prämierten Wohnhäuser zeigen gerade in ihrer Verschiedenheit die Auseinandersetzung mit dem Ort als einem Topos, aus dem sich ein Bau zu einer unverwechselbaren Erscheinung entwickelt. Erinnerungen an Formen und Materialien sind dabei ablesbar als Mittel der Integration und Neuinterpretation eines Ortes. Bezeichnend ist die Sorgfalt, die Bächer auf die erlebbare Korrespondenz von Innen und Aussen verwendet. Die Vielfalt der Erscheinungsbilder von Bächers Bauten, von denen viele unter Denkmalschutz stehen, entspricht der Unterschiedlichkeit der Orte. Das Haus am Rhein ist mit dem am Ammersee so unver-gleichbar wie die Landschaften, in denen sie stehen. Seine Studenten forderte er auf, im Vorgefundenen nach Antworten zu suchen, statt sich an den internationalen Bestsellerlisten zu orientieren und damit die globale Gleichmacherei zu fördern. Die späteren Arbeiten, insbesondere die eindrucksvollen Fried-hofsbauten werden zunehmend durch die Prägnanz der Silhouette und durch skulpturale Grossformen bestimmt: ..."die einzige Bauaufgabe, bei der man sich noch mit Monumentalität beschäftigen darf, ohne sich entschuldigen zu müssen!" Bächers Bauten widersetzen sich einer einfachen Einordnung. Sie stehen für sich und für ihn... Zur Eröffnung sprechen: Kristin Feireiss, Berlin, Doris Weigel, Kunsthistorikerin, Berlin, und Max Bächer. Known as chairman of architectural competition juries, author of many essays, eloquent lecturer, enthusiastic teacher, he is the man who lent the spirit of the architectural education at TU Darmstadt a face, for almost 30 years. Max Bächer represents a postwar generation creating a New World amidst the ruins of history. Set on the crossroads between a superseded nationalistic prewar architecture and young international modernity, two opposing movements, not only in Stuttgart, where Bächer studied. Being chosen for an academic year in the USA in 1949, Bächer met many of the emigrated architects such as Breuer, Gropius, Mendelsohn and Mies van der Rohe. He also visited Charles Eames and Frank Lloyd Wright and befriended Craig Alwood, among others. Aedes presents a cross section through Bächers works of five decades. Already his early buildings show the explicit willingness to regain the lost touch to international modernity. Picking up on new developments and blending them with characteristic features from a grown building tradition to a new unity. Especially his numerous, reward winning residential buildings demonstrate in their diversity the discussion of the location out of which each building develops to its unique appearance. Reminiscence of form and material are thereby means of integration and interpretation of the place. Typical of Bächer is the carefulness applied to the perceptable correspondence of the interior and exterior. The diverse appearance of Bächers buildings, many are protectet by the conservation act, equals the difference of the chosen places. His building at the river Rhine is uncomparable to the one at the Ammersee, just like the landscapes are. He asks his students to search for answers by looking at the surrounding instead of copying the going bestsellers and pushing global similarity by doing so. His latter works, especially his cemetary structures are distuinguished by means of a prominent silhouette and sculptural grandness. Quote: the only structure type, for which one can concern himself with monumentality, without having to excuse. Bächers structures resist a simple classification. They stand for themself and for him... Speakers of the opening will be Kristin Feireiss, Berlin, Doris Weigel, Art Historian, Berlin and Max Bächer. Biographie Max Bächer geb. 1925 in Stuttgart, Gymnasium, Notabitur 1943 und Einberufung 1944 in Italien schwer verwundet, Rückkehr im Herbst 1945 Beauftragt von der amerikanischen Militärregierung mit der Reorganisation der von den Nazis aufgelösten Jugendbewegungen Mitbegründer des Stuttgarter Stadtjugendrings Mitglied im Kulturbund Stuttgart Architekturstudium an der TH Stuttgart 1946 Nebenfächer Kunst- und Literaturgeschichte (u.a. bei Otto Schmitt und Fritz Martini) Studienschwerpunkt Entwerfen und Städtebau bei Richard Döcker und Rolf Gutbier Hilfsassistent bei Prof. Hans Hildebrandt, Kunst des 20.Jahrhunderts Durch ihn Kontakte zu Willy Baumeister, Max Bill, Hugo Häring, Hans Scharoun, Walter Gropius, Alfred Roth, Tut Schlemmer, Wilhelm Wagenfeld, u.a. 1949 als erster deutscher Student Stipendium in den USA an der Georgia Tech., Atlanta, GA, USA. Gastkorrekturen bei I.M. Pei und Hugh Stubbins. Anschliessend 1/2 Jahr Reise durch die USA und Begegnungen mit Charles Eames, Craig Ellwood, Ludwig Hilberseimer, Louis Kahn, Erich Mendelsohn, Mies van der Rohe, Richard Neutra, Frank Lloyd Wright u.a. Rückkehr nach Stuttgart Diplom Sommer 1951 an der TH Stuttgart bei Rolf Gutbrod Büropraxis in Stuttgart bei Bodo Rasch 1951-52 und freier Mitarbeiter bei Paul Stohrer bis 1956, 1955 und 56 als Partner. (Gemeinsam u.a. Wettbewerb Kleines Haus 1.Preis, Umbau Staatstheater Stuttgart, Gr. Haus, Wettbewerb und Auftrag Theater Mönchen-Gladbach als Partner) Gründung eines Architektenbüros 1956 in Stuttgart Bürogemeinschaft mit Harry G.H. Lie von 1965-1980. Seit 1975 Zweigbüro in Darmstadt Aufgabenbereich "vom Kindergarten bis zum Friedhof", Schwerpunkt zunächst Einfamilienhäuser und meist durch Wettbewerbe Verwaltungs- und Sozialbauten, Theaterbauten, Friedhofsbauten, öffentliche Räume, Platzgestaltung, Park- und Freiraumgestaltung, städtebauliche Arbeiten. Zahlreiche Preise und Prämierungen, mehrfach Paul-Bonatz-Preis und Hugo Häring-Preis. Vier Bauten unter Denkmalschutz als "Kulturmonument" Umsiedlung nach Darmstadt und Übergabe des Stuttgarter Büros an H.G.Lie Bauten der letzten Jahre: Justizgebäude Freiburg, verschiedene Wohnhäuser, "Zentrum für Wildwassermeisterschaften" für Olympia Barcelona 1992, Neuer Parkfriedhof Frankfurt, Stadterneuerung Pfullingen (Dauerprojekt seit 1963) mit Walter Förderer bis 1998, seitdem mit Arno Lederer 1960 Lehrauftrag am Institut für Städtebau, TH Stuttgart bei Prof. Rolf Gutbier 1964 Berufung als Ordinarius auf den Lehrstuhl für "Entwerfen und Raumgestaltung" an die TH Darmstadt (emeritiert 1994) Seit 1981 Gastprofessur an der Tong-Ji-Universität, Shanghai Gastkorrekturen und Vorträge an mehreren Hochschulen im In- und Ausland, u.a. Mailand, Technion in Haifa, ETH Zürich, Taiwan, Palermo u.a. Untersuchungen und Sanierungsvorschläge zur Erhaltung der historischen Holzhäuser in Istanbul mit Studenten im Auftrag der VW-Stiftung und des Deutschen Archäologischen Instituts Revitalisierung der historischen Altstadt von La Seud`Urgell in den Pyrenäen von 1982-92. 8 Jahre Deligierter des BDA im Landesdenkmalamt Baden-Württemberg Vorsitzender des Deutschen Werkbundes Baden-Württemberg 1966-70 20 Jahre Vorsitzender der Studienreform Kommission für Architektur und Städtebau bei der Kulturministerkonferenz Vorsitzender des Vereins der Freunde des "Deutschen Architektur Museums" Frankfurt Redaktionsmitglied der BDA Zeitschrift "Der Architekt" Mitbegründer des Städtebaubeirats Stuttgart 1965 Mitglied verschiedener Städtebau- und Planungsbeiräte, u.a. in Dresden und Bremen Vorsitzender des Gestaltungsbeirats Salzburg seit 1997 Preisrichter bei zahlreichen Wettbewerben im In- und Ausland Über 100 Publikationen, Festschriften, Buchbeiträge Beteiligt an Werksausstellungen in verschiedenen Städten in Deutschland und im Ausland, u.a. in Barcelona, Mailand, Moskau, New York, Verona und Venedig Werkausstellungen "Anhand von Bildern" - Bauten aus 5 Jahrzehnten, 2000 in Stuttgart, 2001 in Salzburg, Riva, Brescia, Leipzig, Darmstadt, Würzburg u.a. Mitverfasser verschiedener Ausstellungen - 1959 Manifest gegen die große Landzerstörung (Walter Rossow) - 1961 "Heim und Garten", BGS Stuttgart - 1963 "Heimat Deine Häuser" (Kritikerpreis des BDA) - 1969 "Halt bei Grün", Mannheim - Manifest "Für Architektur" - 1983 Stadterneuerung Shanghai - 1985 Stadterneuerung in La Seu d' Urgell Lebt in Darmstadt, Stuttgart und am Gardasee Verheiratet mit der Architektin Marianne Bächer - von Simson Drei Töchter aus erster Ehe

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