KURCHATOV - Architekturen im Atombombentestgebiet

Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg


 

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Ausstellung: 22. März – 8. Mai 2014
Eröffnung: Freitag, 21. März 2014, 18:00 Uhr

Mit den Ausstellungen 'Architekturen des Wartens`, 2004 , und `Tongkonan, Alang and the House without Smoke`, 2008 , ist "KURCHATOV - Architekturen im Atombombentestgebiet" die dritte architektonische Spurensuche der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg, die wir innerhalb von 10 Jahren bei Aedes präsentieren können. Die 1938 in Berlin geborene Fotografin hatte im Oktober 2012 die Möglichkeit, im ehemaligen Atomtestgebiet der UdSSR- nahe der Stadt Kurchatov, zu fotografieren. Kurchatov liegt ca. 600 km östlich von Astana, an der Grenze zu Sibirien. 60 km von diesem Ort entfernt befinden sich die Überreste städtischer Referenzen, wie Häuser, Straßen, Brücken, Metroeingänge usw., die zwischen 1947/48 im Atombombentestgebiet entstanden, um an ihnen die Zerstörungskraft der Atombomben zu untersuchen. Zwischen 1949 und 1991 wurden dort ungefähr 480 Atombomben gezündet.

Die Fotografien von Ursula Schulz-Dornburg bilden die Reste betonierter Hinterlassenschaften einer Zeit größenwahnsinnigen Wettrüstens ab und sind die stummen Zeugen dieser bis zum Horizont reichenden zerstörten Topographie. Sie zeigen Architekturen, die im Namen der Wissenschaft, Macht und vermeintlichen Heldentums entstanden sind. Heute, beraubt jeglicher Messtechnik und wissenschaftlichem Zubehör, wirken sie wie architektonische Skulpturen in einer surrealen Landschaft, die kontaminiert ist bis zum Weltende. Doch die Fotografien beklagen nichts. Die Schwarzweißaufnahmen sind eigenständig, von großer Klarheit, Tiefe und Anziehungskraft, in denen der Betrachter selbst zum Suchenden wird.

Auf einer zweiten Ebene dieses Zyklus aber bewahrt uns die Fotografin, durch den feldforschenden und spurenbewahrenden Teil ihrer Arbeit, vor dem Vergessen. Kurz vor dem endgültigen sich Auflösen der Landschafts- und Architekturkonstellationen bringt die Fotografin eine Zeit in unser Gedächtnis zurück, in der tausende von Menschen ahnungslos den Folgen von über- und unterirdischen Atombombentests ausgesetzt waren und in der Tiere als lebende Fallstudien benutzt wurden, um an ihnen die Kraft und Auswirkung atomarer Strahlung zu messen.

Zusätzliche Archivaufnahmen, die Schulz-Dornburg zusammen mit ihrem Assistenten Aljoscha Puschkin im Museum in Kurchatov und im Eco Museum in Karaganda abfotografieren konnten, bilden den Inhalt der begleitenden Dokumentation im Zeitungsformat. Diese Fotos aus der Zeit der Atomtests und danach zeigen den sukzessiven Verfall der jetzt von der Fotografin aufgespürten und nur noch latent vorhandenen Anlage.

Die Arbeiten Ursula Schulz-Dornburgs sind heute Teil der Sammlungen von Museen, wie Tate Modern in London, Musée d´Art Moderne in Paris, Instituto Valenciano de Arte Moderno, Ludwig Museum in Köln, uvm. Wir danken der Fotografin, dass wir diese neue Arbeit bei Aedes zeigen können.

Wir möchten auf eine besondere Publikation hinweisen, die in diesen Wochen im Hatje Cantz Verlag unter dem Titel 'some works' erscheint. Dieses Buch-Projekt versammelt erstmals mehrere Zyklen und Serien von Ursula Schulz-Dornburg, darunter auch solche, die bislang unveröffentlicht geblieben sind, sowie die Arbeiten zu Kurchatov. Das komplexe Künstlerbuch in Gestalt einer Schachtel mit mehreren Objektarten und Materialien entstand aus einer intensiven Zusammenarbeit der Autorin mit dem Herausgeber und Autoren Wolfgang Scheppe.


Zur Eröffnung sprechen: 
Dr. h.c. Kristin Feireiss, Aedes Berlin
Prof. Peter Kammerer, Philosophisches Institut, Universität Urbino














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