Rural Moves - The Songyang Story

Xu Tiantian, DnA_Design and Architecture, Beijing

Ausstellung
17. März - 17. Juni 2018

Eröffnung
Freitag, 16. März, 18.30 Uhr

Ausstellungsort

Aedes Architekturforum
Christinenstr.18-19
10119 Berlin

Öffnungszeiten

Di-Fr 11-18.30 Uhr
So-Mo 13-17 Uhr und
Samstag, 17. März, 13-17 Uhr

Zur Eröffnung sprechen
Dr. h.c. Kristin Feireiss Aedes Architekturforum, Berlin
Ping Chen Botschaftsrat für Kultur, Botschaft der Volksrepublik China
Xie Yazhen
Vizebürgermeisterin, Songyang
Xu Tiantian DnA_Design and Architecture, Peking

Es erscheint ein Aedes Katalog zum Thema Rural Moves sowie ein zweiter Katalog über das Oeuvre von DnA_Design and Architecture.



Symposium (in englischer Sprache)
Rural Moves 

New perspectives for rural areas in China and Germany


Datum: Freitag, 16. März 2018, 16.30 Uhr
Ort: ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory, Christinenstr. 18-19, 10119 Berlin

Welcome
Hans-Jürgen Commerell, Direktor Aedes Architekturforum, Berlin
Xie Yazhen, Vizebürgermeisterin Songyang

Einführung
Dr. Eduard Kögel, Kurator, Berlin

Input “Ländliche Räume in Deutschland, Vorstellung des Baukulturberichts 2016/17 ’Stadt und Land’”
Niklas Nitzschke, Bundesstiftung Baukultur, Potsdam

Vorstellung der Projekte in Songyang
Xu Tiantian, DnA_Design and Architecture, Peking

Podiumsdiskussion
Niklas Nitzschke, Bundesstiftung Baukultur, Potsdam
Xu Tiantian, DnA_Design and Architecture, Peking
Dr. Eduard Kögel, Kurator, Berlin (Moderation)

Anmeldung unter reply@ancb.de

 

Aedes Kooperationspartner

 

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  • Exhibition View

  • Model | Project ‘Brown Sugar Factory’

  • Exhibition View

  • Exhibition View

  • Exhibition View

  • Exhibition View

  • Model | Project ‘Wang Jing Memorial Hall’

  • Exhibition View | Project ‘Brown Sugar Factory’

  • Exhibition View | Project ‘Teahouse’

  • Exhibition View

  • Exhibition Opening | Ping Chen (Cultural Councillor, Embassy of the People's Republic of China, Berlin)

  • Exhibition Opening | Xie Yazhen (Vice Mayor, Songyang)

  • Exhibition Opening | Xu Tiantian (DnA_Design and Architecture, Beijing)

  • Exhibition Opening

  • Exhibition Opening

  • Exhibition Opening

  • Exhibition Opening

  • Exhibition Opening

  • Exhibition Opening

  • Exhibition Opening

  • Shimen Bridge, Shimen Village, Photo: Han Dan

Das Überdenken von Strategien für die Entwicklung von ländlichen Gebieten ist eine dringende globale Herausforderung. Um eine internationale Diskussion anzuregen präsentiert das Aedes Architekturforum Berlin ein bemerkenswertes Beispiel aus dem ländlichen China.

Dynamische Urbanisierungsprozesse prägen weite Teile der Welt, besonders in China. Die junge Bevölkerung wandert in die Städte, wohingegen viele ältere Menschen und Kinder in den ländlichen Gegenden zurückbleiben. Während im deutschen Hinterland Bahnstrecken stillgelegt werden und die digitale Infrastruktur mangelhaft ist, begegnet man der Landflucht in China mit neuen Schnellzugtrassen und der Breitbandversorgung bis ins hinterste Bergdorf. Aber auch Architektur im kleinen Maßstab schafft positive Zukunftsperspektiven für die kulturelle, soziale sowie ökonomische Entwicklung. In der bergigen Landschaft der Region Songyang plante die Architektin Xu Tiantian in Zusammenarbeit mit der engagierten Provinzregierung und der lokalen Bevölkerung kluge architektonische Akupunkturen, durch die eine Art neues „rurales Selbstbewusstsein“ entstanden ist.

Mit „Rural Moves – The Songyang Story“ eröffnet das Aedes Architekturforum ein neues Kapitel in der langen und freundschaftlichen Beziehung, die die international tätige Kultureinrichtung in Berlin seit fast zwei Jahrzehnten mit China aufgebaut hat. In der Fortsetzung dieses gegenseitigen Austauschs erkunden Aedes und ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory nun das Hinterland von China. Nicht nur dort, auch in Europa und weltweit wurde die Revitalisierung ländlicher Regionen lange Zeit vernachlässigt und hat in Folge große sozioökonomische und politische Herausforderungen verursacht.


Pine Park Pavilion, Huangyu Village, | Brown Sugar Factory, Xing Village, Photos: Wang Ziling

Architektur spielt bei der Entwicklung großer Infrastrukturprojekte und auch bei kleineren Lösungen eine wesentliche Rolle. In China lassen sich seit einigen Jahren bemerkenswerte Ansätze in innovativen Bauprozessen finden, die vorhandene Ressourcen und oft schon vergessene handwerklichen Traditionen einbinden. Obgleich nicht alle gemachten Erfahrungen direkt auf europäische Verhältnisse übertragbar sind, geben die von Aedes aufgespürten Beispiele in der Region Songyang spannende Impulse für die Diskussion über die Verbesserung anderer ländlicher Lebensräume.

Die Ausstellung „Rural Moves – The Songyang Story“ widmet sich der Beobachtung einer progressiven Zusammenarbeit zwischen der Pekinger Architektin Xu Tiantian (DnA_Design and Architecture) und der kommunalen Regierung, die für das südwestlich von Hangzhou in der Zhejiang Provinz gelegene Songyang verantwortlich ist.



Hakka Indenture Museum, Shicang Village | Teahouse, Damushan Tea Valley, Photos: Wang Ziling | Bamboo Theatre, Hengkeng Village, Photo: Han Dan

Mit etwa vierhundert Dörfern erstreckt sich die Region über das am Fluss Songyin gelegene Tal und die umliegenden Bergregionen. Die besondere Landschaft mit sanften Hügeln, schroffen Felswänden, Reisfeldern und Teeplantagen lässt sich in der traditionellen chinesischen Literatur und in vielen Gemälden wiederfinden. Vor diesem beeindruckenden Hintergrund und mit dieser authentischen Kultur ist Songyang schon seit ein paar Jahren ein beliebtes Reiseziel – vor allem für Bewohner der Großstädte. Zugleich hat sich dort durch verschiedene Modernisierungsmaßnahmen in den letzten Jahren auch ein neues, lebendiges sozio-ökonomisches Gefüge entwickelt. 



Bamboo Pavilion, Damushan Area, Photo: Zhou Ruogu | Wang Jing Memorial Hall, Wang Village, Photo: DnA_Design and Architecture

Um weitere Anreize für das „Bleiben“ als auch für eine Rückkehr der Städter zu schaffen, arbeitet die Regierung zusammen mit der Architektin Xu Tiantian an weiteren Strategien für die Gesamtentwicklung von Songyang. Neben einer guten Anbindung durch Fernstraßen entstehen zur Zeit ein Anschluss an das Highspeed-Bahnnetz sowie ein regionaler Flughafen. 
Zudem lassen sich innovative Projekte wie zum Beispiel 'Organic Farming' oder 'Sustainable Tourism' finden, bei denen der Architektur eine wichtige Rolle zukommt. Allein 80 Fabriken, die den neuen Anforderungen zum CO2 Ausstoß nicht entsprochen hatten, wurden in den letzten Jahren geschlossen sowie teilweise abgerissen und selbst eine in China bis dahin noch unübliche Mülltrennung wird konsequent durchgeführt.


Village Center, Pingtian Village, Photo: Han Dan | Shimen Bridge, Shimen Village, Photo: Wang Ziling

Xu Tiantian hat
 bereits in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Dorfgemeinschaften, der kommunalen Regierung und ortsansässigen Handwerkern eine Vielzahl von Interventionen auf Mikroebene umgesetzt. Dazu zählen unter anderem die „Brown Sugar Factory“ im Dorf Xing, das Dorfgemeinschaftshaus in Pingtian Village, ein Teehaus und ein Pavillon im Damushan Valley. Bei allen Gebäudeentwürfen fand die Architektin Inspiration in der gebauten Geschichte von Songyang und erweiterte sie um zusätzliche Elemente und Funktionen, was der ländlichen Gegend ein dynamisches und organisches Wachstum verschafft und der neuen Generation moderner Landbewohner konkrete Perspektiven bietet.

„Rural Moves – The Songyang Story“ zeigt neun realisierte Projekten und erläutert sie mit Modellen, Plänen und Fotografien sowie durch eine Filminstallation, die die neue Architektur, die Kultur und Geschichten der Menschen in Songyang vorstellt.

Brown Sugar Factory | Xing Village | 2015–16

Program: Workshop/Exhibition
Client: People's Government of Xing Village, Songyang County
Structure System: Steel Structure
Gross Floor Area: 1233.92m2
Building Foot Print: 1309.41m2

Das Dorf Xing liegt in der zentralen Ebene des Songyin Flusses. Die Gegend ist wichtig für den Anbau von Zuckerrohr und die Produktion von braunem Zucker, der auch die Haupteinkommensquelle für das Dorf ist.

Das neue Gemeinschaftsgebäude liegt am Rande des Dorfes am Übergang zu den landwirtschaftlich genutzten Feldern und ersetzt die privaten Arbeitsräume, die nicht mehr den technischen Anforderungen entsprachen. Es besteht aus mehreren Bauteilen, die unterschiedliche Funktionen aufnehmen und die über Korridore miteinander verbunden sind. Mit einem komplett transparenten Erdgeschoss verbinden sich die Arbeitszonen mit den Feldern und der anschließenden dörflichen Struktur. Der Hauptraum mit den Öfen wird jedoch nur in den drei Wintermonaten von Oktober bis Dezember aktiv für die Zuckerproduktion genutzt. Deshalb war es wichtig, das Gebäude so zu gestalten, dass es von der Dorfgemeinschaft für andere Aktivitäten nutzbar ist. Dort treffen sich die Alten tagsüber zum Tee und am Abend werden Filme gezeigt oder das lokale Puppentheater gibt Vorstellungen. Mit dem Gebäude entstand ein neues soziokulturelles Leben im Dorf, das die Identität neu zu definieren hilft.

Die Transparenz zwischen den unterschiedlichen Bauteilen und der ungehinderte Einblick in die Produktionsprozesse des braunen Zuckers macht das Gebäude auch zu einer Attraktion für Besucher. Die reduzierte Materialität von Backsteinen, Stahlkonstruktion, Glas und Wellblech schafft einen Arbeitsraum, der den kulturellen Belangen der Dorfgemeinschaft Rechnung trägt. Als Ausdruck einer zeitgenössischen Produktion, als sozialer Treffpunkt und Kulturraum, prägt die Architektur die soziale Gemeinschaft im Dorf nachhaltig. Hier formiert sich das dörfliche Selbstverständnis jenseits tradierter Vorstellungen neu.


Pingtian Village Centre | Pingtian Village | 2014–15

Program: Museum/Workshop
Client: People's Government of Sidu Village, Songyang County
Structure System: Timber Structure
Gross Floor Area: 307.7m2

Das Dorf Pingtian liegt auf einem Bergrücken und besteht mehrheitlich aus Stampflehmbauten mit traditioneller Holzkonstruktion im Inneren. Organisch gruppieren sich die Häuser entlang der Topographie, die sich fußläufig über Treppen und sehr enge Gassen erschließen.

Für das Programm einer Ausstellung über alte landwirtschaftliche Geräte und ein Handwerkszentrum schlug die Architektin Xu Tiantian vor, Teile einer Baugruppe zu reparieren und Teile so zu organisieren, dass die alte Bausubstanz mit neuer Ausstattung den heutigen Bedürfnissen entspricht. Die L-förmigen Ausstellungsräume für landwirtschaftliche Geräte auf der untersten Ebene sind von zwei Seiten zugänglich. Die im Obergeschoss liegende Ausstellungsfläche erschließt sich von der höher liegenden rückwärtigen Gasse und verbindet sich mit dem daneben liegenden Bau, den heute junge Designer als Blaufärbe-Workshop nutzen. Das Werkstattgebäude entstand aus zwei eng beieinander stehenden identischen Häusern, die mit einem neu eingesetzten Oberlicht verbunden sind. Im Obergeschoss entstanden zwei vermietbare Raumeinheiten, von wo aus der Blick über Dorf und Landschaft schweifen kann.

Der für die lokalen Handwerker neue Umgang mit dem Bestand provozierte Wiederstand, der in mühsamen Diskursen abgebaut werden musste. Die Erwartung im Dorf nach neuen Materialien und neuen Ausdrucksformen – oft aus dem städtischen Kontext – führt in vielen Fällen zur Zerstörung der historisch gewachsenen Form- und Materialkultur. Bei diesem Beispiel in Pingtian ist es der Architektin gelungen, die lokale Bevölkerung zu überzeugen, dass mit lokalen Mitteln eine zeitgenössische Lösung gefunden werden kann, die sowohl ihre Bedürfnisse nach Modernität berücksichtigt als auch die Identität des Dorfes wahrt.


Wang Jing Memorial Hall | Wang Village | 2016–2017

Location: Wang Village, Songyang, Lishui, Zhejiang Province
Program: Leisure/Culture/Landscape
Client: Songyang Wangsong District Wang Village Council
Gross Floor Area: 406.2m2
Building Foot Print: 406.2m2

Der Gelehrte Wang Jing (1337–1408) stieg unter dem ersten Kaiser der Ming Dynastie aufgrund seiner ausgewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten zu einem einflussreichen Gelehrten auf. Er wurde Mitglied der Hanlin-Akademie und beteiligte sich an der Zusammenstellung der Yongle Enzyklopädie (1408), der bis dahin ausführlichsten Zusammenfassung des Wissens in China.

Das heutige Dorf Wang, aus dem Wang stammte, entschied sich für einen Neubau im Dorfzentrum gegenüber dem Ahnentempel, um an das Leben des berühmten Vorfahren zu erinnern. Zwischen Ahnentempel und Neubau verläuft die historische Handelsstraße der Region. Die meisten alten Bauten innerhalb der Dorfstruktur sind aus Stampflehm erbaut und verfügen über eine interne Holzkonstruktion, die das Dach trägt. Allerdings sind die Lehmbauten in einem schlechten Zustand und selbst der alte Ahnentempel gegenüber dem Neubau stand kurz vor dem Kollaps, bevor er nun renoviert wurde.  

Für den Neubau entwickelte Xu Tiantian eine lineare Baustruktur, die sich organisch in den Dorfgrundriss einpasst und zwischen den alten eingeschossigen Stampflehmbauten und den zwei- bis dreigeschossigen Neubauten der letzten Jahre vermittelt. Das konstruktive Gerüst des Neubaus besteht aus offenen Betonelementen, die insgesamt 17 Ecken des Grundrisses definieren. Die Außenwände zwischen den tragenden Ecken sind aus Stampflehm. Die konstruktiven Ecken lassen von oben Licht und Luft in das Gebäude. Hier wird das Leben von Wang Jing in 17 Szenen in Steinreliefs dargestellt. Durch diesen Bau erfährt die alte Bautechnik und das lokale Handwerk eine Aufwertung, die sich auch bei anderen Sanierungen im direkten Umfeld zeigen. Das Gebäude wird als Zentrum für die dörfliche Gemeinschaft genutzt und erinnert an den heute wieder verehrten Wang Jing.  


Bamboo Pavilion | Damushan Area | 2014–15

Type: Pavilion 

Client: Songyang Country Tourism Development Co., Ltd.

Zwischen den Teefeldern in der Region Damushan verlaufen schmale befestigte Wege, die der Erschließung der Teeplantagen und dem lokalen Tourismus als Infrastruktur dienen. Mit Elektromobilen und Fahrrädern können die Besucher durch die eleganten Landschaftswellen gleiten und an ausgewählten Stellen die Aussicht ins Umland genießen. Für mehrere neue Aussichtsplattformen entwickelte Xu Tiantian ein System von Pavillons aus einer einfachen Bambuskonstruktion, die additiv in unterschiedlicher Größe am Rande der Teeplantagen positioniert sind. Die Baugruppen erinnern in abstrakter Weise mit Andeutungen geneigter Dächer an die Silhouette historischer Weiler. Als Anlaufstellen im weiten Grün der Teefelder geben die transparenten Konstruktionen einen Rahmen, der auch für temporäre Kulturveranstaltungen genutzt wird. Dieser erste Auftrag an Xu Tiantian entwickelte sich zu einem wichtiger Werbeträger für die Erneuerung der Region, der als Botschafter ein neues Bild der Teeplantagenlandschaft zeichnet.


Teahouse | Damushan Tea Valley | 2015

Program: Tea House/Tea Art Training
Client: Songyang Tourism Development Co., Ltd.
Structure System: Shearing Wall
Gross Floor Area: 477.75m2
Building Foot Print: 372.83m2

Die Teegärten von Songyang von Damushan liegen in hügeliger Landschaft vor der Kulisse imposanter Berge. In sanften Schwüngen ziehen sich die Plantagen über die Hügelrücken und prägen so mit ihren linear gepflanzten Teebüschen seit Jahrhunderten den Landschaftsraum.

1968 wurde der Xujing Teich für Bewässerungszwecke zwischen den Teeplantagen angelegt und später mit einem Rundweg für Fußgänger ausgestattet. Am Rand des Teiches entwarf Xu Tiantian ein Teehaus für Besucher, von dem der Blick über den Teich die landschaftlichen Reize inszeniert. Das neue Bauwerk ist linear zwischen Ufer und Geländekante so eingepasst, dass fünf große Platanen erhalten werden konnten und mit ihrem Blätterdach den Vorplatz verschatten. Der Geländesprung zwischen Weg und Uferkante wird nun von dem neuen Teehaus gefüllt, das zwischen den Bäumen und der natürlichen Topographie verschwindet.

Der aus schwarz eingefärbtem Beton errichtete Teepavillon besteht aus einer Serie unterschiedlicher Räume. Der zweigeschossig offene Hauptraum hat ein Oberlicht und eine verglaste Front zum Teich. Die Besitzerin vermittelt hier Aspekte der Teekultur und eine zeitgenössische Form der Tradition, die auch in den urbanen Zentren auf Interesse stößt. Im Anschluss an den Hauptraum liegen Räume für private Teezeremonien. Am Rand folgt der Meditationsraum, durch dessen runde Öffnung die Reflektion des Sonnenlichts auf der Wasserfläche den Innenraum belebt. Kleine Höfe und Ausblicke, die sowohl landschaftliche wie ästhetische Phänomene der Natur ins Bewusstsein rücken, unterbrechen die Raumfolge. Das Bauwerk selbst ist so gut in die landschaftliche Situation eingebunden, dass erst aus dem Innenraum der spektakuläre Ausblick deutlich wird: der Teich im Vordergrund dient als Spiegel für die Teegärten und die Bergkulisse im Hintergrund.


Bridge | Shimen Village | 2017

Program: Leisure/Culture/Landscape
Client: Songyang Public Road Administration

Die Brücke verbindet die beiden Dörfer Shimen und Shimenyu über den Songyin-Fluss. Die bestehende gemauerte Steinbrücke mit ihren charakteristischen Bögen stammt aus den fünfziger Jahren und ist heute für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Mit der Renovierung und dem Ausbau der Brücke entwarf Xu Tiantian einen sozialen Ort, der die beiden ehemals verbundenen Dörfer kulturell neu zusammenführt. Dabei entstand ein überdachter Brückenraum, der an die historischen „Wind- und Regen-Brücken“ erinnert. Im Fluss liegt das kulturhistorisch relevante Wehrsystem, das als Teil einer größeren Anlage seit 1500 Jahren die Bewässerung am Songyin-Fluss regelt.

Die Architektin entwarf ein einfaches Konstruktionselement aus Holz, das in additiver Reihung den neuen Raum bestimmt. In der Mitte lädt ein mit Bäumen bepflanzter Platz zum Aufenthalt ein. Die visuelle Verbindung zum Fluss, aber mehr noch, die kulturelle Überhöhung der Brücke, hilft den beiden benachbarten Dörfern einen gemeinsamen Kulturraum zu definieren, der ihre historische Verbundenheit auf neue Weise erfahrbar macht.


Hakka Indenture Museum | Shicang Village | 2016–17

Program: Leisure/Culture/Landscape
Client: Songyang Dadongba County Government
Gross Floor Area: 2573.57m2
Building Foot Print: 674.5m2

Das von einer Hakka-Volksgruppe bewohnte Dorf Shicang liegt im Süden des Kreises Songyang in einem engen Tal. Die Hakka werden auch als „Gäste“ bezeichnet, da sie als Flüchtlinge in den letzten Jahrhunderten aus den nördlichen Regionen eingewandert sind. Ihren besonderen Status, der durch einen starken inneren Zusammenhalt der Gruppe geprägt ist, haben sie bis heute erhalten.

Der Name des Dorfes Shicang übersetzt sich als Steinspeicher, der sich wiederum auf eine Legende bezieht, nach der es eine magische Höhle mit Korn gab, in der sich die Bewohner versorgen konnten. Gierige Einwohner sollen die Höhle aufgebrochen haben, die dadurch ihre Fähigkeit verlor Korn zu produzieren. Anstelle des Korns fanden sich danach nur noch Steine.

Um an diese namensgebende Geschichte des Dorfes zu erinnern, entwickelte Xu Tiantian ein Bauwerk, das die lokalen Konstruktionen von Brücken oder Wohngebäuden aufgreift. Die grob behauenen Steine sind im wilden Verband zu massiven Mauern aufgeschichtet, die den Hang am Dorfrand in die Landschaft überleiten. Die Architektur verbindet sich über verschiedene Raumsequenzen im Inneren wie im Äußeren mit der Landschaft. Ein vorhandener Bewässerungskanal wurde über das Dach geleitet und spendet Wasser, das an bestimmten Tagen über Düsen zu einem Wasservorhang im Innenraum versprüht wird. Über eine lineare Öffnung im Dach fällt Sonnenlicht auf den Wasservorhang, wo sich ein Regenbogen bildet. Dieses zeitlich begrenzte Phänomen zieht Besucher an, die dann auch die benachbarten Orte beleben. Das Museum selbst ist ohne Zugangskontrolle und stellt lediglich Kopien der teilweise mehrere hundert Jahre alten Hakka-Verträge aus. Die Inspiration aus der lokalen Legende verortet das Museum, mit dem sowohl das handwerkliche Können wie die Materialkultur neu belebt wurden.


Pine Park Pavilion | Huangyu Village | 2017

Program: Leisure/Culture/Landscape
Client: Songyang Department of River Control and Reservoir Management
Gross Floor Area: 315.65m2
Building Foot Print: 197m2

Der Pavillon steht neben dem Dorf Huangyu an einem befestigten Verbindungsweg entlang des Songyin-Flusses, der als touristische Infrastruktur für Radfahrer und Wanderer die Region erlebbar macht. Der Holzbau besteht aus vorgefertigten Elementen, die vor Ort moniert wurden und die eine Kunstinstallation beinhalten, mit der die historische Gewinnung von Kiefernharz im nebenan liegenden Dorf Huangyu dargestellt wird. Der langgezogene Pavillon besteht aus vier Segmenten. Separiert werden die Bauteile mit Glasflächen auf denen künstlerisch verfremdet die Harzgewinnung illustriert wird, die sich mit den bestehenden Baumgruppen um den Pavillon zu einem Bild verbinden. Der einfache Holzbau mit seiner klaren konstruktiven Struktur dient als Rastplatz auf dem Damm am Fluss und informiert über eine alte Technik zur Gewinnung von Harz. Er verbindet damit die Information über den Ort mit einer touristischen Infrastruktur, die für Besucher Geschichte und Zukunft auf spielerische Weise verknüpft.


Bamboo Theatre | Hengkeng Village | 2015

Program: Leisure/Culture/Landscape
Client: Songyang Tourism Development Co., Ltd.

Bambus ist ein schnell wachsendes Gras, das in China in jedem Garten und in vielen hügeligen Regionen als lichter Wald vorhanden ist. Die Bedeutung von Bambus in der chinesischen Kultur wird durch vielfältige Qualitäten wie seiner flexiblen Struktur, der funkelnde grüne Lichteffekt, den ein Bambushain erzeugt, seine vielen Varietäten oder seine technischen Eigenschaften als Material bestimmt. Xu Tiantian entwarf für das Dorf Hengkeng eine Theaterbühne, die von einer historischen Darstellung inspiriert ist.

Für den Bau des Bambusdomes nutzte die Architektin einen Low-Tech-Ansatz der das schnelle Wachstum und die Biegequalität des Materials berücksichtigt. Einmal angelegt braucht die wachsende Kuppel wenig regelmäßige Pflege: jüngere Bambusschösslinge müssen in den bestehenden Dom eingewoben und alte Stangen entfernt werden. Diese bio-organische Architektur in einem natürlichen Umfeld ermöglicht Aktivitäten von dörflichen Opernaufführungen bis zur individuellen Meditation in der Natur.


Aedes Katalog

Deutsch/Englisch
€ 10
Zur Katalogbestellung


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